Schon wieder Sabaidee,
Links von mir sitzt ein etwas dickerer Laote und hat seinen Kopf zum Schlafen auf meine Schulter gelegt, rechts sitzt ein anderer Laote und lacht sein schönstes Lachen, er hat keinen Zahn mehr im Mund. Gegenüber schauen mich zwei Kleinkinder recht interessiert an, ihr Vater sitzt daneben und isst ein Ei. Claudia sitzt auf einer Bank eingezwängt zwischen fünf laotischen Männern. Irgendwo gackert ein Huhn. Das klingt ein wenig wie ein Traum, ok, ein nicht sehr schöner Traum. Es handelt sich aber um eine Busfahrt in einem örtlichen Bus von der laotischen Hauptstadt Vientiane in die drittgrößte Stadt des Landes, Savannaketh. Die Fahrt zieht sich über knapp 9 Stunden hin, es wird im Bus gegessen, gelacht, schlimme schlimme Musik gehört und versucht mit uns zu kommunizieren. Zunächst dachten wir auch der Bus wäre schon voll besetzt, aber es findet sich immer irgendwo ein Plastikschemel auf dem jemand noch im Gang Platz nehmen kann.
In Savannaketh (was soviel heißt wie Himmel) angekommen fragen wir uns was man hier machen kann und beschliessen für zwei Nächte zu bleiben. Wir machen ein lustige TukTuk-Fahrt mit einem ortskundigen, aber des Englischen nicht mächtigen Fahrer. Wir sehen alle Sehenswürdigkeiten einschließlich des neuen Hotels, des Flughafens und natürlich auch den Kreisverkehr. Irgendwo soll es auch eine der wenigen Brücken über den Mekong geben, die sehen wir leider nicht.
Die Provinz Savannaketh ist wie Laos selbst eine der am stärksten zerbombten Gegenden der Welt. Im Rahmen des Vietnamkriegs haben die Amis hier auf jeden Menschen ca. 2,5 Tonnen Bomben abgeworfen, das ganze ohne eine Kriegserklärung, was heißt sie konnten auch Krankenhäuser, Tempel und Schulen bombardieren. Die Überreste sind heute für viele Bauern noch tödlich, und es wird noch Jahrzehnte dauern bis diese beseitigt sind.
Weiter geht's für uns nach Champasak, wo ein toller Tempel stehen soll. Die Fahrt dorthin ist schon wieder lustig und ein bisschen abenteuerlich. Zunächst brauchen wir ein TukTuk (10 Minuten) zum Busterminal, dann wieder den „Local-Bus“(3 Stunden) in die nächste Stadt Pakse, dort wieder ein TukTuk (20 Minuten), das uns zum anderen Terminal der Stadt bringt, von wo uns ein Kleinbus (1,5 Stunden) zur Fähre (30 Minuten) fährt, auf der anderen Seite geht's mit dem TukTuk (10 Minuten) weiter ans falsche Ende der Ortschaft von wo wir zu Fuß (20 Minuten) bei geschätzten 40° mit allem Gepäck zu einem halbwegs akzeptablen Guesthouse gehen. Das Guesthouse ist das bisher günstigste auf der ganzen Reise, für knapp 2,80€ ergattern wir das letzte Doppelzimmer des Hauses. Wie sich herausstellt ist gerade Vollmond und die Buddhisten feiern da im Tempel immer ziemlich groß, also nix wie hin. Kurz nach Sonnenuntergang sind wir dort, und sehen eigentlich nicht allzuviel von der Tempelruine, weils eben trotz vollem Mond dunkel ist und alles nur mit Kerzen beleuchtet wird. Allerdings kann man kleine Böötchen und Ballons mit Kerzen kaufen und jeweils in die verschiedenen Elemente entlassen.
Nach nur einer Nacht in Champasak geht's auf einem ähnlich abenteuerlichen Weg in die südlichste Ecke von Laos, nach Si Phan Don oder den 4000 Inseln im Mekong. Ein Longboat bringt uns auf dem letzten Stück auf „unsere“ Insel Don Khon, nicht zu verwechseln mit Don Khong im Norden der Inselgruppe. Der nicht vorhandene Bootsanlegesteeg gibt einen ersten Vorgeschmack auf das Inselleben. Alles ist wenig bis gar nicht entwickelt. Irgendjemand hatte vor gerade mal zwei Jahren die Idee die Insel mit Strom zu versorgen, was wohl einiges geändert hat. Straßen im eigentlichen Sinn gibt es nicht, nur Schlaglochpisten aus Schotter, Sand oder Lehm. Trotzdem gibt es recht viele Bungalowhütten auf unserer und der Nachbarinsel Don Det, manche schon für einen Dollar pro Nacht. Mit geliehenen Fahrrädern (1€ pro Tag) fahren wir über die alte Eisenbahnbrücke (2€ pro Tag!?!)aus der Zeit der fanzösischen Besetzung in Richtung Don Det wo das „Partyleben“ toben soll. Naja es blieb beim „soll“. Weiter ging es mit den Rädern nach verschiedenen Drink-Stopps auf Grund der enormen Hitze zu einem Teil der Mekong-Fälle, die sogar jetzt in der trockensten aller Trockenzeiten beeindruckend waren. A propos Trockenzeit, der Mekong hat nach Auskunft der Einheimischen im Moment so wenig Wasser wie noch nie, was es für die Bootsfahrer auf den Longboats nicht gerade einfach macht, weil überall Felsen bis knapp unter die Wasseroberfläche reichen.
Von Don Khon machen wir außerdem einen Ausflug zu den äußerst seltenen Irrawadday-Delphinen die im Mekong leben. Der Ausflug hat einen bitteren Beigeschmack, da unser Bootsfahrer ein anderes Fischerboot „übersieht“ und rammt, und dabei ein Kleinkind ins Wasser stösst. Schockiert zieht Claudia die Kleine ins Boot und wir rudern zurück um die Überbleibsel des Fischerbootes zu begutachten. Glücklicherweise ist dem kleinen Mädchen bis auf ein paar Schrammen und einem Schock für's Leben nichts weiter passiert, und auch das Fischerboot hat den Zwischenfall fast unbeschadet überstanden. Ach ja, Delphine haben wir auch gesehen, konnten das aber dann nicht so richtig geniessen.
Kaum 4 Tage später verlassen wir die 4000-Inseln und damit Laos. Ein Bus bringt uns zur kambodschanischen Grenze. Hier dürfen einige eher inoffizielle Dollars für verschiedene Dienstleistungen hinterlassen, Fiebermessen = 1$, ein Stempel hier = 1$, ein Stempel da =1$, Visum = 23$ . Jetzt sind wir offiziel dort wo der Pfeffer wächst!
Der Bus, der eigentlich 11 Stunden hätte brauchen sollen ist nach nur 13,5 Stunden in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh.
In Kambodscha funktioniert alles mit US$, es gibt zwar eine Landeswährung, die wird aber nur für Beträge eingesetzt, die kleiner als 1$ sind. Unser erster Ausflug in P.P. führt uns ins Völkermord-Museum Tuol Sleng oder S-21. Der Komplex ist ein ehemaliges Schulgebäude, das die Roten Khmer während ihrer Herrschaft 1975-79 in ein Folterlager umgebaut haben. Die Taten der Roten Khmer werden sehr eindringlich und deutlich vorgetragen. Am nächsten Tag fahren wir in die Killing-Fields am Rande der Stadt. Hier wurden die zuvor Gefolterten mit LKWs hingekarrt um anschließend erschlagen zu werden. So wurden über 2 Millionen Menschen im ganzen Land umgebracht.
Der nächste Tag wird weniger grausam, Claudia schaut sich das eher langweilige Nationalmuseum an und Jens verbringt den Tag im Bett bzw. auf dem Klo.
Trotz der bedrückenden, nicht alten Geschichte (bis vor 10 Jahren gab es die Roten Khmer noch in einigen Provinzen) fällt auf, dass die Kambodschaner sehr viel lachen und geschäftiger sind als die ruhigen laotischen Nachbarn. Gestern gab es beispielsweise einen knapp zweistündigen Stromausfall in der Stadt und am Ende konnte man überall Jubelschreie hören.
Für uns geht es morgen weiter nach Battambang in den Norden, und anschließend nach Siem Reap wo die vielen vielen Tempel auf uns warten.
Lustige Grüße aus Phnom Penh
C&J
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